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21.05.2021

6 Fragen an... Dieter Burkert, Eintracht Frankfurt e.V.

Dieter Burkert, Vizepräsident des Eintracht Frankfurt e.V., ist dem Verein bereits 1972 als Hockeyspieler beigetreten. Auf seinem Weg zur Funktion als Präsidiumsmitglied übernahm er zunächst Verantwortung in der Hockeyabteilung und später als Beiratsvorsitzender und Sprecher aller Abteilungen. In unserer Rubrik „6 Fragen an…“ spricht Dieter Burkert über den Trend zu Sportaktivitäten ohne Vereinsverpflichtungen, seinen Respekt vor den Leistungen der Übungsleiter*innen in der Corona-Pandemie und mangelnden Respekt der Politik für die unverzichtbare gesellschaftliche Leistung des Sports.

Sportkreisvorsitzender Roland Frischkorn: „Der Verein verbindet sehr erfolgreich den Breiten-, den Gesundheits- und den Profisport. Die zahlreichen olympischen Sportarten segeln immer etwas im Schatten des Profifußballs, und doch gehört bei der Eintracht mit ihren 92.000 Mitgliedern alles zusammen. Eintracht Frankfurt steht in jeglicher Hinsicht für Vielfalt, Respekt, Toleranz und eine klare Haltung gegen Rassismus.“

Sportkreis Frankfurt: Warum engagieren Sie sich im bzw. für Ihren Verein?

Dieter Burkert: Ich bin seit 1972 Mitglied bei Eintracht Frankfurt. Zunächst war ich Hockeyspieler, später habe ich kleinere Aufgaben in der Abteilung übernommen. Nach einem Generationswechsel wurde ich Abteilungsleiter und bin so in die Gremien des Vereins reingerutscht – zunächst als Beiratsvorsitzender (Sprecher aller Abteilungen) und seit 2002 als Präsidiumsmitglied der Eintracht, zuständig für Sport außerhalb des Fußballs. Mir war es wichtig, mich im Verein zu engagieren, um nach meiner schönen Zeit im aktiven Sport etwas zurückzugeben. Es macht mir Spaß, auf diese Weise die Entwicklung des Vereins mitgestalten zu können und nach wie vor im Austausch mit den Sportlern zu sein und etwas zu bewegen.

Sportkreis: Hat sich die Vorstandsarbeit in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, wie? Worauf kommt es besonders an?

Burkert: Die Vorstandsarbeit hat sich in den letzten Jahren enorm verändert und wird sich noch weiter verändern. Insbesondere in größeren Vereinen wird vom Vorstand Rundumkenntnis in Steuer-, Arbeits-, Sozialrecht, Personalführung und ähnlichem verlangt. Die Vergütung von Vorständen oder zumindest Teilen des Vorstands ist nicht mehr zu umgehen, um geeignete, qualifizierte Personen für diese Aufgaben überhaupt noch zu finden. Blauäugigkeit in der Vorstandsarbeit kann böse enden. Einige Vereine haben diese schmerzhafte Erfahrung schon gemacht und Geld sowie Reputation verloren. Die aktuellen Herausforderungen haben Defizite in der Vereinsarbeit offengelegt wie beispielsweise mangelnde Digitalisierung der Vereinsverwaltungen, die jedoch gerade für gute Kommunikation und guten Service mit den Mitgliedern notwendig ist.

Sportkreis: Wie wirkt sich die Corona-Epidemie auf Ihren Verein aus? Was beschäftigt Sie am meisten?

Burkert: Die Corona-Pandemie hat den Sport bei Eintracht Frankfurt wie auch alle anderen Vereine vollkommen unvorbereitet getroffen. Nach der ersten Verunsicherung wurden Mitarbeiter und Trainer kreativ und haben Strategien entwickelt, wie mit der Krise umzugehen ist und wie es gelingen kann, Mitglieder trotz fehlender sportlicher Betätigung an den Verein zu binden und das über jetzt einen schon sehr langen Zeitraum. Die digitalen Angebote sind in großer Zahl und Vielfalt entstanden. Zwar können wir nicht das große Mitgliederwachstum wie in den vergangenen Jahren verzeichnen, aber wir sind vom Mitgliederschwund glücklicherweise weitgehend verschont geblieben. Ein Grund hierfür ist sicherlich auch die Verbindung zum erfolgreichen Profifußball.

Die Krise und der Umgang mit dieser hat uns allerdings sehr deutlich vor Augen geführt, welche Wertschätzung der größten gesellschaftlichen Bewegung in unserem Land von der Politik entgegengebracht wird. Die Gesetze und Verordnungen zeugen von Weltfremdheit und mangelndem Respekt gegenüber den ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Sportlern, die für die Gesellschaft unverzichtbare Beiträge leisten. Auch die Verbände, die sich immer ihrer Nähe zur Politik vermeintlich sicher sind, haben nichts ausrichten können. Von einem verlorenen Jahrgang mal ganz abgesehen werden die Auswirkungen insbesondere auf Kinder und Jugendliche erst später sichtbar werden und dann laut beklagt werden.

Sportkreis: Gibt es etwas im Verein, das Sie besonders stolz macht / etwas, das Sie hervorheben möchten?

Burkert: Die unglaubliche Solidarität unserer Mitglieder und die vielfältigen Aktionen, die während der Corona-Pandemie entstanden sind, machen mich sehr stolz. Ich habe größten Respekt vor der erfolgreichen Umsetzung der digitalen (Sport-)Angebote in unseren Abteilungen, vor den Einkaufshilfen, der Unterstützung der Gastronomie, der Mitarbeit bei den Tafeln und vor allem vor der stoischen Ruhe unserer Übungsleiter, die versuchen im Dschungel der Hygienekonzepte, das Beste aus der Situation zu machen.

Gibt es ein Sportprojekt (außerhalb Ihres Vereins), das Sie besonders gut finden?

Burkert: Der Trend geht zu Sportaktivitäten in der Freizeit ohne Verpflichtungen in einem Verein. Deshalb sind alle Projekte der Kommunen, Vereine oder Verbände, die Sport auch frei anbieten zu unterstützen. Dabei muss der Egoismus der Vereine ein bisschen zurücktreten, denn die Erhaltung der Gesundheit muss ein übergeordnetes Ziel sein und liegt in unser aller Interesse.

Sportkreis: Welche Rolle spielen Sportvereine Ihrer Ansicht nach für Frankfurt?

Burkert: Der organisierte Sport in Vereinen und auch in den Verbänden könnte eine Macht sein, die allerdings jetzt aus vielerlei Gründen kaum sichtbar wird. Der Sport findet sich in der Regel als Bittsteller wieder, obwohl er eine tragende Rolle bei der Gesunderhaltung und der Integration der Bevölkerung spielt. Manchmal fragt man sich schon, wo sich die Vertretung des Sports beispielsweise in der Stadtverordnetenversammlung findet.

Die Sportvereine müssen selbstbewusster auftreten und deutlicher machen, dass sie einen wesentlichen Beitrag zu den weichen Standortfaktoren leisten, von denen die Entwicklung der Stadt nur profitieren kann.

Eintracht Frankfurt vereint Breiten-, Gesundheits- und Profisport für 92.000 Mitglieder. Neben der Vielfalt steht der Verein auch für Toleranz und eine klare Haltung gegen Rassismus. Fotos: Eintracht Frankfurt

Von der Hockey-Abteilung bis ins Präsidium: Dieter Burkert hat seit 1972 alle Seiten der Vereinsarbeit kennengelernt. Seit 2002 ist er im Präsidium zuständig für Sport außerhalb des Fußballs.

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